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Welche Barcodetypen sind in Logistik und Industrie gebräuchlich?

Jeder kennt die Strichcodes, die an der Supermarktkasse quasi im „Vorbeigehen“ bzw. am Scanner der Kasse vorbeigezogen nicht nur den Artikel mit all seinen Eigenschaften, sondern auch seinen Preis identifizieren. Der Barcode ist nicht nur im Handel, sondern allgemein in Logistik und Industrie ein unverzichtbares Mittel, um Waren und Material einfach und schnell handeln zu können. Je nach Anwendungsfall werden unterschiedliche Barcodetypen eingesetzt, die jeweils passende Eigenschaften haben und teilweise schon seit Jahrzehnten existieren.

Weltweit genutzt: die Europäische Artikelnummer

Für den Einzelhandel reicht am Point of Sale zur Identifikation des Artikels ein einfacher Barcodetyp. Handelswaren werden weltweit – mit Ausnahme von Nordamerika – mit einer 13-stelligen EAN gekennzeichnet. Die Nummer selbst hat keine Bedeutung, sie dient nur als Schlüssel für den Artikel im Warenwirtschaftssystem des Händlers. Der Barcode Scanner liest die als Strichcode aufgebrachte Nummer und gibt sie an eine dahinterliegende Software weiter, die damit den passenden Artikel findet.

Zentrale Verwaltung

EANs werden weltweit zentral verwaltet von der Organisation GS1 und daher nur einmalig vergeben. EANs werden heute „gemietet“, d.h. für eine Gebühr eine definierte Zeit zugewiesen. Damit wird verhindert, dass die gleiche Nummer für verschiedene Artikel genutzt werden kann, was bei einem Händler zu Chaos in der Warenwirtschaft führen würde.

In den USA und Kanada wird bis heute häufig noch eine 12-stellige Nummer, der sogenannte UPC-Code genutzt. Produkte, die dort verkauft werden, sollten also mit diesem Barcodetyp versehen werden.

Spezialanwendungen

Spezielle Barcodetypen, die ähnlich wie die EAN funktionieren, werden etwa für Bücher (ISBN), Zeitschriften (ISSN) oder für verschreibungspflichtige Medikamente (PZN, Pharma-Zentral-Nummer) benutzt. Sie alle dienen dazu, Artikel und deren Varianten im Verkehr mit dem Endverbraucher zu identifizieren.

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Andere Typen in der Industrie

Auch in der Industrie wurde schon sehr frühzeitig mit Barcodes gearbeitet, weil man die Vorteile der einfachen Datenerfassung auf der Fläche, zunächst an festen Stationen, später auch die mobile Datenerfassung, schnell erkannte.

Es entwickelten sich hier unterschiedliche Barcodetypen, bekannt und häufig benutzt ist hier vor allem der Code 39. Er ist sehr einfach herzustellen, weil er große Drucktoleranzen hat und ist ein alphanumerischer Code. Das bedeutet, dass hier im Gegensatz zum EAN auch Buchstaben, in Unterarten sogar Sonderzeichen dargestellt werden können. VDA-Versandetiketten oder die PZN sind Anwendungsfälle für diesen Barcodetyp.

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Schlüssel in allen Lieferketten

In der Logistik spielen Strichcode Scanner, insbesondere im Bereich mobile Datenerfassung, eine Schlüsselrolle. In Lieferketten werden auf dem Etikett der Transporteinheit direkt zusammen mit der Ware eine Menge Informationen transportiert, die der Empfänger durch einfaches Abscannen in seine Systeme übernehmen und prüfen kann. Häufig wird hier der Code 128 benutzt, der eine hohe Informationsdichte erlaubt.

Der soganennte GS1-128 ist dabei kein Barcode, sondern eine standardisierte Datenstruktur, der den Code 128 als Barcodetyp benutzt. Auch in der Automobilindustrie, bei den sogenannten ODETTE Transportetiketten, oder bei Paketdienstleistern wird vor allem der Code 128 als Barcodetyp eingesetzt.

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Mehr als nur Striche

Alle bisher beschriebenen Barcodetypen sind echte Strichcodes, auch 1D Codes genannt. Sie codieren die Daten über die Strichbreiten und die Breite der Lücken zwischen den Strichen. Weil die Anforderungen an die Inhalte wachsen, gibt es auch 2D Codes, bei denen die Information nicht mehr einfach in Form von Strichen, sondern von Punkten auf einer Fläche. Genau genommen ist es deshalb falsch, von 2D-Barcodes oder -Strichcodes zu sprechen.

Zweite Dimension

Beim 2D Code werden die Daten in zwei Dimensionen auf einer Fläche dargestellt. Für die Datenerfassung benötigt man hier Kamera Scanner. In der einfachsten Form sind 2D Codes gestapelte Strichcodes, die in mehreren Zeilen angeordnet sind. Bekannte Beispiele dafür sind die Barcodetypen PDF 417 oder Codablock. Im Gegensatz zu den Stapelcodes verwenden Array-Codes eine Matrix, bei der nicht mehr Linien, sondern einzelne Punkte auf eine Fläche die Informationen codieren.

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Das bekannteste Beispiel dieser Art ist wohl der QR Code, der heute praktisch überall anzutreffen ist, um in der Regel damit per App und Smartphone-Kamera direkt auf eine Webseite zu gelangen. Weitere wichtige Ausprägungen des Array Codes sind DataMatrix, der häufig für Teilekennzeichnungen in Luft- und Raumfahrtindustrie sowie in der Medizintechnik genutzt wird, sowie der Aztec Code, den unter anderem die Deutsche Bahn für ihre Online Tickets nutzt.

Weitere Entwicklungen

Mit 2D ist aber das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Eine weitere Dimension der Codierung kann beispielsweise durch Farbe hinzugefügt werden. So hat das Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie den JAB-Code entwickelt, der eine zusätzliche Farbcodierung besitzt und damit eine höhere Datendichte abbildet als übliche Schwarz-Weiß-Codes. Mittlerweile gibt es sogar schon animierte Codes – hier noch von Strichcodes im herkömmlichen Sinn zu sprechen wäre allerdings unsinnig.

Nichtsdestotrotz gibt es in diesem Bereich noch große Entwicklungen, und es ist noch einiges zu erwarten. Vielleicht können wir in absehbarer Zeit einen ganzen Film von einem Code ablesen.

Die Konkurrenz: RFID

In den letzten Jahren wird viel über die RFID-Technik geredet und das die kleinen Chips – wegen ihrer vielen Vorteile – über kurz oder lang praktisch überall eingesetzt werden und damit den Barcode überflüssig machen.

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In der Tat werden die Einsatzbereiche für RFID immer zahlreicher, vom kontaktlosen Bezahlen mittels NFC (Near-Field-Communication), das auf der RFID Technik basiert bis zur Auszeichnung von Waren im Einzelhandel. Aus technischer Sicht bietet RFID tatsächlich große Vorteile gegenüber dem Strichcode weil die Datenerfassung im Pulk funktioniert, d.h. es muss nicht mehr jedes einzelne Etikett gescannt werden, weil auf den Chip viel mehr Informationen passen als auf ein Etikett, und weil der Chip wiederbeschreibbar ist, Informationen also im Prozessverlauf angereichert werden können.

Ausblick: der Strichcode wird auch in Zukunft gebraucht

Es gibt allerdings auch einen gravierenden Nachteil von RFID: den Preis der Technik, insbesondere der in Massen benötigten Chips, auch wenn diese in den letzten Jahren deutlich günstiger geworden sind. Aber auch das kommt noch nicht in die Nähe der Preise von Etiketten und den verschiedenen Barcodetypen.

Für bestimmte Einsatzgebiete wird sich der RFID-Chip zweifellos kurzfristig durchsetzen. Aber insbesondere in der Logistik wird der Barcode auch in Zukunft seinen Platz haben.

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