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RFID im Einzelhandel

« Chancen und Anwendung von Radio Frequency Identification »

Ganz gleich, ob Regaleinräumer, Paketbote oder Verkäufer: Der Barcode Scanner gilt in vielen Berufen als das A & O der tagtäglich genutzten Ausrüstung. Im Handel und im Bereich der Logistik bekommt der Kleinsthelfer jedoch spürbare Konkurrenz: RFID Reader machen dem Scanner im wahrsten Sinne des Wortes einen Strich durch die Rechnung. Erfahren Sie, was schon heute mit der Nahfunktechnik möglich ist, und was die Zukunft für den Standard RFID im Einzelhandel bringen mag.

Datenerfassung neu gedacht

RFID steht für „Radio Frequency Identification“, zu Deutsch „Identifizierung via elektromagnetischen Wellen“. Das Konzept ähnelt dem des Barcodes, unterschiedet sich von diesem jedoch in ausschlaggebenden Punkten: Ein Informationsträger, auch Transponder genannt, wird mit Inhalten (Daten) angereichert und stellt diese einem Lesegerät (Reader oder Schleuse) zur Verfügung. Entgegen Strich- und Barcodes kann ein RFID Transponder jedoch mit mehr Informationen angereichert, schneller identifiziert und unabhängiger verwendet werden. Das Lesegerät benötigt keinen direkten Kontakt – bei dem Chiplesegerät handelt sich nicht um ein „optisches“ Erkennungssystem.

Es genügt die Registrierung im Radius der elektromagnetischen Wellen, um den Datenaustausch in Gang zu setzen.

Mittlerweile können die Transponder dank ihrer indirekten Funktechnik über Monate genutzt werden: Die Wellen der Scanner beziehungsweise Schranken genügen, um das passive Nahfunkmodul zu aktivieren. Somit benötigt der Transponder keine großen Energiequellen und kann in seinem handlichen Format in feinsten Strukturen eingearbeitet werden.

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Die Vorteile der Elektrowellenfrequenzerkennung sind zahlreich. Vorwiegend wird jedoch der praktikable und zeitschonende Einsatz gelobt: Waren sind nicht mehr mühselig im Einzelverfahren zu erfassen, sondern können zu Hundertschaften „in einem Rutsch“ registriert werden. Der Zeitvorteil dieser Technik ist demnach enorm und gilt neben dem Ausbau des 5G-Netztes als der nächste Meilenstein auf dem Weg zur Industrie 4.0. Angesichts dieser zukunftsträchtigen Komponente mag es überraschen, dass die Identifikationstechnik keineswegs eine Erfindung der Neuzeit ist: Im 2. Weltkrieg etwa kam die elektromagnetische Verifizierungstechnologie zum Einsatz, um die Freund-Feind-Analyse zu erleichtern. Insbesondere im Luftkrieg wurde von sogenannten Sekundärradaren Gebrauch gemacht.

RFID Reader und Chips im Detail

Sicher, auf dem Weg von den Anfängen der Frequenzanalyse bis zur heutigen Nahfunkregistrierung wurden einige Entwicklungsstadien durchlaufen, doch das Prinzip ist unverändert. Sie haben noch keinen Transponder im Alltag gesehen? Gut möglich, denn die meisten Funkmodule sind nur wenige Millimeter groß. Manche Ausführungen erreichen lediglich Reiskorngröße! Dies ermöglicht eine wortwörtlich heimliche Einbettung: In Modeboutiquen kommen die Sender serienmäßig zum Einsatz.

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Neben dem offensichtlichen Funkmodul, ein grauer Clip, dient ein eingeflochtener Mikrotransponder als Diebstahlschutz. Dieser muss vor dem Verlassen des Geschäfts deaktiviert werden – ansonsten piept’s! Das Deaktivieren übernehmen meist die Angestellten an der Kasse. Am Ausgang ist die allseits bekannte Sicherheitsschranke aufgestellt: Sollte ein Langfinger sein Glück versuchen oder die Deaktivierung misslungen sein, schlägt die Schranke Alarm. Besagte Schranke wird auch als Schleuse bezeichnet. Die Einrichtung dieser Terminals erfolgt anders als bei Lesegeräten wie Barcode Scannern demzufolge stationär. Chiplesegeräte mit RFID Modulen sind zwar zu haben, verfehlen jedoch das eigentliche Ziel der Technik: das automatisierte und schnelle Auslesen von Daten.

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Das Zusammenspiel zwischen Transponder und Reader oder Schleuse birgt einen weiteren Pluspunkt: Die Frequenz, auf der die jeweiligen Komponenten kommunizieren, ist variabel. Auf diese Weise lassen sich Komplikationen, etwa Störungen durch EC-Karten samt NFC-Chip vermeiden, wenn sich Betreiber auf konkrete Frequenzbereiche einigen. Des Weiteren kann die Strahlungsintensität angepasst werden. Schleusen, wie sie zum Beispiel im Einzelhandel zum Einsatz kommen, funken Signale von gut einem Meter Reichweite.

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Dies bedeutet auch für den härtesten Schnäppchenjäger keine Strahlenbelastung, wie man sie zum Beispiel bei den ersten Mobilfunktelefonen und Stromtrassen befürchtete. Soll der Reader weiter entfernte oder geschützte Sensoren erkennen, kann die Frequenz angehoben werden. Neben dem Einzelhandel profitiert somit insbesondere die Logistik von dieser Technologie. Ganze Container können mit Transpondern ausgestattet werden und die Verladung in Häfen sowie Lieferzonen gelingt in Rekordzeit. Je nach Bedarf können Transponder sowie Reader auch wasserfest und stoßsicher konzipiert sein!

Ein Blick über den Tellerrand

Neben den Einbindungsoptionen von RFID im Einzelhandel seien an dieser Stelle in aller Kürze weitere Möglichkeiten der Nahfunktechnik erläutert. So sind zum Beispiel in Personalausweisen sowie Reisepässen, die nach 2005 ausgestellt wurden, RFID Chips eingebettet. In den USA wurde gar der VeriChip zugelassen: Nutzer können sich verschiedenste Daten, etwa Allergien oder Medikamenteneinnahmen, auf den Chip laden. Und diesen unter die Haut verpflanzen!

Ärzte und Sanitäter können somit im Notfall exakte Informationen über den Patienten erhalten.

Bei seltenen und teuren Tierarten ist dies bereits gang und gäbe! Züchter von Papageien etwa nutzen diese Methode. Eine Überwachung aus der Ferne, wie es etwa ein Hundehalsband samt GPS-Chip ermöglicht, ist jedoch nicht möglich.

Bedenken zu RFID im Einzelhandel

Der Pluspunkt, einem Transponder verschiedenste Daten zu applizieren, ruft Datenschützer auf den Plan: Der Einsatz von RFID im Einzelhandel berge die Gefahr, den Kunden in einen gläsernen Probanden zu verwandeln. Erste Pilotprojekte sind dennoch gestartet.

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Amazon etwa testet Filialen, in denen der Kunde nicht nur anhand der Wunschliste seines Accounts shoppen gehen und weitreichende Informationen zu den Produkten erhalten, sondern ebenso den Bezahlvorgang an der Kasse umgehen kann: Beim Verlassen des Geschäfts erfolgt die Abrechnung voll automatisch durch die Verknüpfung von Konto und mitgenommener Ware. Ein Chiplesegerät muss nicht mehr gezückt werden, der Barcode Scanner kann stecken bleiben, Warteschlangen an der Kasse gehören der Vergangenheit an! Der Kritik, der Handel könne Nahfunktechnik für personalisierte Werbung oder gar Beeinflussung instrumentalisieren, entgegnen Befürworter der Technik mit der Masse an Daten, die nicht zu analysieren sei.

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Doch die Server weltweiter Datenkraken alias Google, Facebook und Microsoft gewinnen an Leistung: Mithilfe künftiger Komprimierungsverfahren könnte das Erlebnis Omnichannel durchaus einen dauerhaften virtuellen Schuhabdruck hinterlassen. Die Lösung sehen Experten in einer automatischen Löschung der Daten: Angefangen vom Konto über die Anschrift bis hin zu produktspezifischen Merkmalen sollen die Schleusen jede Information unkenntlich machen.

Bis RFID im Handel für den Otto-Normalverbraucher angekommen ist, bleibt jedoch genügend Zeit.

Die Datenanreicherung wirkt sich vielmehr auf Produktionsprozesse aus: Artikel können beliebig mit Informationen versehen werden und sind nicht mehr mühselig mit dem Scanner zu identifizieren. Zudem bestehen Änderungsoptionen der Daten: Sollen beispielsweise Komponenten in der Automobilindustrie kurzfristig einen neuen Zuschnitt erhalten, kann der Zulieferer diese Änderungen über das entsprechende Verwaltungssystem bekannt geben. Vorausgesetzt, der Hersteller nutzt das gleiche System wie der Zulieferer, welches den Einsatz von Transponder und Chiplesegerät unterstützt.

Passende Schutztaschen und Holster

Wer RFID im Einzelhandel nutzt, der sollte dem Aspekt Sicherheit hohen Stellenwert beimessen. Eine unachtsame Bewegung und schon liegt das Arbeitsgerät am Boden.

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Moderne Datenerfassungsgeräte sind natürlich robust beschaffen und sollten kleinere Stürze überstehen. Dennoch sollte kein Risiko eingegangen werden. Für elektromagnetische Reader sind ebenso wie für Strichcode Scanner passgenaue Holster und Schutztaschen verfügbar, in welchen sich die Handhelds optimal verstauen lassen.

Über die Zukunft von RFID im Einzelhandel

RFID steckt keineswegs in den Kinderschuhen und kann im Einzelhandel sowie in weiteren Bereichen eingesetzt werden. Die technischen Möglichkeiten bestehen, sind ausgereift und anerkannt. Allerdings dürften noch ein oder zwei Jahre vergehen, bevor die Technologie im Handel ankommt und sich dort zum Standard etabliert.

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Die, zwar deutlich gesunkenen, im Schnitt jedoch immer noch zu hohen, Produktionskosten der Transponder sowie Schleusen und die Marktpräsenz des Barcode Scanners verhindern bisweilen den Durchbruch der Elektrowellenfrequenztechnik. Auch die Bedenken zum Thema Datenschutz sind zu beachten. Da diese jedoch vielmehr den Einzelhandel, wie zum Beispiel den wöchentlichen Einkauf im Supermarkt betreffen, dürfte das Thema Datensammeln und Produktplatzierung der Verbreitung in der Logistik und Industrie nicht im Wege stehen.

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